Hausfraulich
Die Schweiz bietet mancherlei Vorzüge, je nachdem wen man fragt auch in erstaunlicher Vielfalt. Der geschätzte Herr Nachbar erfreut sich an der Existenz von Franken und Banken, andere loben deren besondere Nummernkonten und Steuersätze. Mancher Kollege begeistert sich vor allem für unzählige Berge, die man rauf- und runterlaufen kann, mit und ohne Ski, während mir schon der Anblick von Kühen und Bimmelglöckchen das Herz erwärmt. Da ich aber tendenziell der Aufnahme von Kalorien mehr zugetan bin als deren Verbrennung, kann ich auch der Schweizer Küche einiges abgewinnen. Namentlich Käsefondue (bevor ich hier verschwinde, werde ich einen dieser roten Töpfe kaufen) und Luxemburgerli. Andernorts bekannt als Macarons.

Diese köstlichen kleinen Kekse, nein – Kekspralinen, habe ich häufiger in der Auslage am Flughafen gesehen und wäre niemals auf die Idee gekommen, sie zu kaufen, lebensmittelfarbenbunt und bröseltrocken, wie sie da lagen. Dann jedoch standen sie eines abends bei Bekannten nach dem Essen auf dem Tisch und eine ganz neue Dimension von Genuß tat sich mir auf. Was staubtrocken und knüppelhart aussah, zerging zart auf der Zunge wie Baiser, und die Cremefüllung war eine Wucht.

Völlig hingerissen wollte ich bei nächster Gelegenheit selber zuschlagen und mußte feststellen, daß die kleinen Kekse sündhaft teuer und zum Export völlig ungeeignet sind (weil schnell verderblich). Ein einziges Mal habe ich mir eine Packung gegönnt: 16 Kekse, 18 Franken. Auf den Gedanken, eine solche Köstlichkeit selbst fabrizieren zu können, wäre ich nie gekommen.

Bis ich nach längerem Aufenthalt in Deutschland ohne eigene Küche (=Kochentzug) und kürzlichen Erfolgen am Herd mit neuen Rezepten zufällig auf eine Anleitung bei der ZEIT stieß. Angefixt suchte ich mir ein besser geeignetes Rezept (gewissermaßen die Variante für Dummies) heraus, kaufte eine Küchenwaage und Spritztülle (ich! die ich sonst alle Mengen über den Daumen peile), und machte mich ans Werk. Der Zeitpunkt war günstig, sollten sie gelingen, wären sie ein prima Mitbringsel für anstehende Besuche, und wer nicht wagt, der kann bei diesen Preisen keine Macarons essen (wobei ich ganz klar vor allem vom Eigeninteresse geleitet bin - ich werde diesen Winter Macarons backblechweise essen, jawohl!)

Das Ergebnis ist durchaus noch verbesserungswürdig, ich denke, etwas mehr Eischnee würde die Baisers noch fluffiger machen. Früher aus dem Backofen holen würde auch nicht schaden.



Auch die Schokocreme ist relativ fest geraten, und nächstes Mal werde ich die Reste nicht weglöffeln, sondern noch mehr auf den Keksen verteilen.



Von der unendliche Vielfalt an Sorten und Farben und Geschmäckern, die ich noch probieren kann, gar nicht zu reden. Aber für den ersten Versuch, ganz hübsch. Für die liebste Freundin, am Wochenende.

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donalphons, Mittwoch, 28. September 2011, 23:46
*schnipp* *schnipp* *schnipp*

damenwahl, Donnerstag, 29. September 2011, 09:29
Nix da, da ist für meine liebe Freundin! Aber ich kann mal ein Care-Paket schicken, wenn Du ernsthaft willst...

arboretum, Donnerstag, 29. September 2011, 13:13
Psst, lassen Sie sich doch lieber einladen, ihn in Italien zu besuchen. ;-)

damenwahl, Donnerstag, 29. September 2011, 18:12
Das würde ich erwägen, wüßte ich, wann ich das einrichten soll. So bleibt mir nichts als schuften. Und backen.

cgabbert, Donnerstag, 29. September 2011, 08:34
Das war schön zu lesen, vielen Dank. Der Text scheint Ihnen mindestens so leicht aus der Tastatur gefallen zu sein, wie einem die Macarons auf der Zunge zergehen.

damenwahl, Donnerstag, 29. September 2011, 09:29
Ja, das hat Spaß gemacht. Schreiben fällt mir allerdings meistens leicht, weil ich nur dann was mache, wenn mir gerade danach zumute ist. Trotzdem Danke!

berenike, Donnerstag, 29. September 2011, 12:13
Macarons (oder halt Luxemburgerli) gehören zu den kniffligsten, was man sich zum backen vornehmen kann. Angeblich, ich backe nie, ich koche nur....
Glückwunsch, wenn Sie es auf Anhieb immerhin schon verschenkfähig hinbekommen haben!

Wollten Sie nicht immer mal Ihre alte Studienstätte aufsuchen? Darf ich Sie beherbergen?

damenwahl, Donnerstag, 29. September 2011, 12:24
Das war gar nicht schwer, man muß nur pedantisch genau arbeiten, abwiegen, alle Schritte brav befolgen.
Und: Ist das eine Einladung? Möchten Sie auch welche als Gastgeschenk? Sie dürften sich dann sogar die Farbe aussuchen.

berenike, Dienstag, 11. Oktober 2011, 11:24
Meine Lieblingsfarbe ist ja blaugrün, ich sollte mir aber als Gastgeschenk wohl eine passendere Farbe aussuchen.

Sie sind hier willkommen.

windsbraut, Mittwoch, 5. Oktober 2011, 10:26
Verraten Sie mir, wo Sie die "Dummie"-Variante gefunden haben?

damenwahl, Sonntag, 9. Oktober 2011, 22:42
Bei Essen & Trinken:
http://www.essen-und-trinken.de/rezept/140091/macarons.html

windsbraut, Dienstag, 11. Oktober 2011, 09:35
Vielen Dank!

c17h19no3, Sonntag, 9. Oktober 2011, 22:54
sieht nicht nur köstlich, sondern auch noch schön aus.

wie wär´s mit einem care-paket für sozial benachteiligte norddeutsche schreiberbräute mit obdachlosem anhang? ich revanchiere mich bei gelegenheit gerne mit kürbissuppe, sofern der obdachlose, aber muskelbepackte teil meines haushalts dazu beiträgt, das gemüse klein zu kriegen... ;)

damenwahl, Montag, 10. Oktober 2011, 21:10
Ich würde ja gerne, aber die Dinger sind verderblich, weil mit Sahnecreme und damit ganz ungeeignet für die Post. Die müßte ich dann schon persönlich importieren, aber einem Ausflug nach Hamburg, irgendwann mal, wäre ich keineswegs abgeneigt!