Donnerstag, 3. November 2011
Diese Woche
Einen Doktortitel in einer Publikation angedichtet bekommen, den ich noch gar nicht besitze. Die Richtigstellung gestaltet sich schwierig, denn gedruckt ist gedruckt.

Eine Briefsendung wurde vom freundlichen Postboten – statt sie in den Briefkastenschlitz zu stecken – wieder mit in die sichere Filiale genommen, wo ich sie zwischen 9 und 18 Uhr abholen darf, also zu Zeiten, zu denen ich üblicherweise hinter meinem Schreibtisch sitze. Strategisch jenen Abend fürs früher gehen gewählt, an dem der Chef aushäusig ist, beim Verlassen des Büros angerufen worden, mußte doch Farbe bekennen, sonst wäre meine Post wieder zurück zum Absender gegangen.

Daß ich morgen früh um 8 Uhr den ersten Termin habe, wird natürlich niemand bemerken.

Der Sonderverkauf bei Talbot und Runhof ist an genau dem Wochenende, an dem ich keinesfalls nach München fahren kann, um endlich mal ein wirklich tolles Ballkleid schnappen zu können.

Die Organisation eines Hotels für eine größere Gruppe kann keinesfalls an den Vorjahreskonditionen orientiert werden, statt dessen sollen wir jetzt 80 % anzahlen und dafür lieber nicht mehr stornieren – Telefonate nonstop, Emails ohne Ende, außer vom Entscheider - der glänzt durch Unerreichbarkeit.

Außerdem: versetzt, am Telefon abgewürgt („Wir müssen jetzt einen Film schauen“), und ein Büro, in dem um meinetwillen noch ein paar Fettnäpfe extra aufgestellt wurden.

Um all diesen Widrigkeiten erhobenen Hauptes und geraden Rückgrats begegnen zu können, heute zum ersten Mal im Leben Plateaupumps getragen (elegante, nicht prollige). Gummiknopf unterm Absatz fiel schon vor Erreichen der Bürotür dem Pflaster zum Opfer, so daß ich den Rest des Tages nicht mit Grandezza über die Flure schwebte, sondern geräuschvoll wie Kapitän Ahab auf seinem Deck unterwegs war: links lautlos, rechts Stahlnagel auf Steinboden.

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Dienstag, 6. September 2011
Kleine Freuden
Einen Gutschein für einen Monat Training bei einer deutschlandweiten Fitti-Kette gewinnen, von dem man als Wahlschweizerin nicht viel zu haben glaubt. Bis man dank neuer Teilzeitanstellung plötzlich zu einem Zweitwohnsitz im Rheinland kommt und doch noch etwas damit anfangen kann.

Morgens um sieben in besagtem Fitti auflaufen, zwar mit neuerworbenen Turnschuhen, aber ohne Turnstrümpfe (die sind nämlich in der Schweiz geblieben). Mental auf Blasen, Schmerzen und wunde Füße eingestellt entdecken, daß das Fitti auch morgens früh bereits Turnsocken verkauft.

Einen Abend sturmfrei in der WG haben, in Vorfreude auf den spannenden Schund-Trivialkrimi Sushi kaufen gehen. Aus Sparsamkeit zwei ordinäre Varianten bestellen und daheim feststellen, daß man noch zwei von den tollen tempura-frittierten Spezialsushis vom Haus bekommen hat.

Auf dem Balkon eine letzte Zigarette rauchen und voller Fernweh sehen, wie die Flugzeuge im Landeanflug wie beleuchtete UFOs durch den diesigen Herbstabend einschweben.

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