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Flug umgebucht auf den 10.12. Weihnachtskekse, Tee und Kerzenschein, ich komme!
Jetzt kann ich wahrhaftig und endlich die Tage abzählen, bis ich wieder zu Hause bin. Sie dürfen mir die Daumen drücken, daß ein guter Engel mich auf dem Langstreckenflug in die Business Class hochstuft, das habe ich nach alle den Flügen in 2009 wahrhaftig verdient.
Jetzt kann ich wahrhaftig und endlich die Tage abzählen, bis ich wieder zu Hause bin. Sie dürfen mir die Daumen drücken, daß ein guter Engel mich auf dem Langstreckenflug in die Business Class hochstuft, das habe ich nach alle den Flügen in 2009 wahrhaftig verdient.
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Zur Ablenkung
Zu schreiben gäbe es genug, allein mir fehlt die Zeit.
In der Zwischenzeit: als mir ein Kollege von diesem Projekt erzählte, vermutete ich zuerst einen Scherz. Dann fragte ich mich: leben wir in derselben Stadt, die Bauherren und ich? Und nun: wie sich wohl der Dubai Crash auf die Finanzierung auswirken mag? Besonders empfehlenswert das kleine Video. Aber Sie sehen: es gibt im Kongo Menschen mit Visionen.
In der Zwischenzeit: als mir ein Kollege von diesem Projekt erzählte, vermutete ich zuerst einen Scherz. Dann fragte ich mich: leben wir in derselben Stadt, die Bauherren und ich? Und nun: wie sich wohl der Dubai Crash auf die Finanzierung auswirken mag? Besonders empfehlenswert das kleine Video. Aber Sie sehen: es gibt im Kongo Menschen mit Visionen.
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Manieren - in mehr als einer Hinsicht
Erste Anzeichen von Übermüdung: wer bis abends um zehn oder elf arbeitet, kann morgens nicht um sechs schwimmen gehen – ich komme einfach nicht mehr hoch, trotz allen guten Willens. Ich hoffe auf heute Abend, vor der Abschiedsfeier einer Freundin, um die acht Riesen-Shrimps vom Vorabend zu kompensieren.
Der schöne Franzose hatte darauf bestanden, daß ich mit ihm und seinen Kollegen essen gehe, einer der Kollegen wolle mit mir über ein gemeinesames Fachgebiet und meine Erfahrungen im Kongo sprechen. Wir teilten uns auf zwei Autos auf, kaum waren wir angekommen, entschied sich das andere Auto für eine andere Destination, und am Ende saßen wir alle im Roi de Cossas. Auch wenn ich nur mäßig hungrig war, sind Shrimps in Knoblauchöl dort definitiv das Gericht der Wahl, und am Ende hatten acht von neun Personen um den Tisch herum Cossas vor sich stehen. Sieben von acht Personen hatten außerdem Lätzchen um den Hals – ich hingegen weigere mich konsequent, weiße Tücher umgebunden zu bekommen und verlasse mich auf meine gute Kinderstube. In aller Arroganz bin ich der Meinung: Cossas könne man wahrhaftig noch manierlich essen, ohne die Hälfte auf dem Hemd zu verteilen. Bisher ist es mir auch noch immer gelungen, mich nach der Mahlzeit unbeschadet vom Tisch zu erheben, so daß ich mich in meiner Meinung bestätigt sehe.
Zum Ende des Abends wurde es unerfreulich: einer der Kollegen hatte offenbar das bestellte Essen nicht erhalten – dafür etwas anderes? – und wurde, nach Kaffee oder Dessert gefragt, laut und unangenehm. Überaus verärgert lehnte er ab, beschwerte sich über das nicht servierte Essen, explodierte geradezu – das mag daran gelegen haben, daß ich die Vorgeschichte verpasst hatte. In jedem Fall wurde er sehr unangenehm, sehr unsouverän, sehr bösartig und sehr herrisch.
Und nun muß ich gestehen: ich bin letzte Woche auch einmal ausgerastet. Neben Bergen von Arbeit, der Suche nach einer Unterkunft für die letzten Tage hier nach Ende meines Mietvertrags, und endlosen Problemen mit meinem Fahrer (zu spät, nie da, verschwindet mitten im Tag, kommt morgens mit leerem Tank etc.) war meine Geduld so überstrapaziert, daß ich vor der Tür laut geworden bin. Im Nachhinein tat es mir leid, aber erst gestern – im Vergleich mit diesem sagenhaft herrischen, unangenehmen Typen – ist mir bewußt geworden, wie unschön mein Verhalten wirklich war. Habe mir fest vorgenommen, mich für den Rest der Woche von keiner Unannehmlichkeit mehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Der Himmel möge hier zusammenbrechen, ich werde freundlich lächeln und souverän alles Ungemach über mich ergehen lassen.
So wie es aussieht, kann ich damit gleich anfangen: draußen stürzen Sintfluten vom Himmel und ich habe um zehn einen Termin mit einem Unternehmer, der schlimmstenfalls nicht einmal ein Dach überm Kopf hat.
Der schöne Franzose hatte darauf bestanden, daß ich mit ihm und seinen Kollegen essen gehe, einer der Kollegen wolle mit mir über ein gemeinesames Fachgebiet und meine Erfahrungen im Kongo sprechen. Wir teilten uns auf zwei Autos auf, kaum waren wir angekommen, entschied sich das andere Auto für eine andere Destination, und am Ende saßen wir alle im Roi de Cossas. Auch wenn ich nur mäßig hungrig war, sind Shrimps in Knoblauchöl dort definitiv das Gericht der Wahl, und am Ende hatten acht von neun Personen um den Tisch herum Cossas vor sich stehen. Sieben von acht Personen hatten außerdem Lätzchen um den Hals – ich hingegen weigere mich konsequent, weiße Tücher umgebunden zu bekommen und verlasse mich auf meine gute Kinderstube. In aller Arroganz bin ich der Meinung: Cossas könne man wahrhaftig noch manierlich essen, ohne die Hälfte auf dem Hemd zu verteilen. Bisher ist es mir auch noch immer gelungen, mich nach der Mahlzeit unbeschadet vom Tisch zu erheben, so daß ich mich in meiner Meinung bestätigt sehe.
Zum Ende des Abends wurde es unerfreulich: einer der Kollegen hatte offenbar das bestellte Essen nicht erhalten – dafür etwas anderes? – und wurde, nach Kaffee oder Dessert gefragt, laut und unangenehm. Überaus verärgert lehnte er ab, beschwerte sich über das nicht servierte Essen, explodierte geradezu – das mag daran gelegen haben, daß ich die Vorgeschichte verpasst hatte. In jedem Fall wurde er sehr unangenehm, sehr unsouverän, sehr bösartig und sehr herrisch.
Und nun muß ich gestehen: ich bin letzte Woche auch einmal ausgerastet. Neben Bergen von Arbeit, der Suche nach einer Unterkunft für die letzten Tage hier nach Ende meines Mietvertrags, und endlosen Problemen mit meinem Fahrer (zu spät, nie da, verschwindet mitten im Tag, kommt morgens mit leerem Tank etc.) war meine Geduld so überstrapaziert, daß ich vor der Tür laut geworden bin. Im Nachhinein tat es mir leid, aber erst gestern – im Vergleich mit diesem sagenhaft herrischen, unangenehmen Typen – ist mir bewußt geworden, wie unschön mein Verhalten wirklich war. Habe mir fest vorgenommen, mich für den Rest der Woche von keiner Unannehmlichkeit mehr aus der Ruhe bringen zu lassen. Der Himmel möge hier zusammenbrechen, ich werde freundlich lächeln und souverän alles Ungemach über mich ergehen lassen.
So wie es aussieht, kann ich damit gleich anfangen: draußen stürzen Sintfluten vom Himmel und ich habe um zehn einen Termin mit einem Unternehmer, der schlimmstenfalls nicht einmal ein Dach überm Kopf hat.
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Unerwartet gut
Der Sonntag begann mit dem üblichen Stromausfall, kein Kaffee, keine Rühreier, kein Toastbrot, dafür eine völlig versiffte Küche (nicht abwaschbar, weil ohne Strom keine Wasserpumpe), eine Ameisenstraße entlange der Krümel der Mitbewohner vom Vorabend und ein ganz schlechter Start in den Tag im Hause Damenwahl. Mangels Alternativprogramm habe ich um elf die Bücher auf der Terrasse ausgepackt und gearbeitet, bis ein freundlicher Besucher sich mittags zu mir in den Elfenbeinturm begab (acht Stockwerke in völliger Dunkelheit, besser als bei Rapunzel im Märchen). Obendrein ergab sich daraus das Nachmittagsprogramm: ein Ausflug zu Chez Tintin.
Beim Verlassen des Hauses begegneten wir im Hinterhof der Familie, die das Döner Kebab betreibt, ein kleiner Junge führte drei Zicklein an der Leine und erklärte uns, welches die Mama und der Papa und das Kind der Familie Ziege seien.
Zu Chez Tintin wollte ich ja eigentlich schon vor zwei Wochen, was aber durch mangelnde Ortskenntnis meines Chauffeurs verhindert wurde – dafür war es gestern umso schöner. Eine halbe Stunde flußabwärts beginnen die ersten Stromschnellen, das Wasser schäumt und spritzt an die Wand unter der Terrasse, auf der man hübsch sitzen kann und es rauscht wie das Meer im Urlaub an der See. Dienstbar Geister brachten einen Sonnenschirm, kalte Limonade und nach einiger Zeit auch Liboke – Fisch in Palmenblättern und Pili-Pili Sud gegart. Das Pili-Pili ist so scharf, daß man sich um die Reinlichkeit der Küche keine Gedanken zu machen braucht und trieb mir die Tränen in die Augen (ebenso wie die unzähligen Gräten im Fisch), aber Pili-Pili hat im Gegensatz zu Pfeffer oder Chili nicht nur Schärfe, sondern einen deutlichen Eigengeschmack und der Liboke war besser als im Restaurant um die Ecke.
In der Regenzeit überschwemmt der Fluß die noch etwas tiefer gelegene überdachte Terrasse, wo Kinder im Wasser planschten, während wir auf unserer Terrasse zwischen pseudo-römischen Säulenstummeln aus grauem Beton saßen und die Aussicht auf die Inseln und das Ufer genossen. Zwischendurch passierten zwei Boote einander unter lautem Gejohle direkt unter uns, ein paar Jungs in Sporthosen und leuchtend-bunten Polyesterhemden mit Angeln kamen vorbei, und ein Mann mit verkrüppeltem Bein schleppte sich ohne erkennbares Ziel durch die Brandung. Einige Meter stromaufwärts nahm die hübsche Idylle Schaden durch einen metallenen Steg mit Häuschen drauf – hier holt die Wasserbehörde das Wasser aus dem Fluß und jetzt weiß ich auch, warum das Wasser in der Dusche immer leicht bräunlich ist: nicht ich bin so dreckig, sondern das Wasser ist nicht gut genug gefiltert.
Bei der Heimkehr hing Familie Zicklein geschlachtet vom Dach der Unterstände für die Autos, drei Leichen baumelten nebeneinander und der Besitzer des Dönerladens war mit einem großen Messer zugange. Etwas zu spät eigentlich fürs Hammelfest – Eid war doch schon Freitag? – aber was weiß ich schon von muslimischen Feiertagen. Der Strom ging wieder an, kaum daß ich mich acht Etagen zu Fuß hochgekämpft hatte und nach Einbruch der Dunkelheit bin ich schwimmen gegangen. Auf dem Grill im Hof, wo Familie Dönerkebab sonst ihre Brochette grillt, lag ein halbes Ziegenfell und es stank die bis spät nachts ganz erbärmlich (selbst in meinem Turm), aber schwimmen in der Dunkelheit nach einem heißen Tag ist herrlich. Das Wasser ist morgens direkt aus der Bettwärme heraus kalt und taugt gut für Tage mit Katerstimmung, aber abends ist es warm und fühlt sich auf der sonnenverbrannten Haut so angenehm weich und samtig an, daß es ein Genuß ist. Die Fliesen sind noch sonnenwarm unter den Füßen und das Gras ist weniger stachelig – die Palmen rascheln leicht und die Grillen zirpen. Aus der Paillote nebenan zieht der Duft von Gegrilltem herüber und am Himmel sieht man Sterne und den Mond hinter den Wolken – als hätte jemand eine Decke über eine Lampe gelegt. Manchmal sieht man Vögel, die vom Licht von unten angestrahlt werden und sich wie silberne Motten gegen den Nachthimmel abheben und dann ist dieses Land einfach wunderschön und man kann sich nur verlieben und möchte für immer bleiben.
Beim Verlassen des Hauses begegneten wir im Hinterhof der Familie, die das Döner Kebab betreibt, ein kleiner Junge führte drei Zicklein an der Leine und erklärte uns, welches die Mama und der Papa und das Kind der Familie Ziege seien.
Zu Chez Tintin wollte ich ja eigentlich schon vor zwei Wochen, was aber durch mangelnde Ortskenntnis meines Chauffeurs verhindert wurde – dafür war es gestern umso schöner. Eine halbe Stunde flußabwärts beginnen die ersten Stromschnellen, das Wasser schäumt und spritzt an die Wand unter der Terrasse, auf der man hübsch sitzen kann und es rauscht wie das Meer im Urlaub an der See. Dienstbar Geister brachten einen Sonnenschirm, kalte Limonade und nach einiger Zeit auch Liboke – Fisch in Palmenblättern und Pili-Pili Sud gegart. Das Pili-Pili ist so scharf, daß man sich um die Reinlichkeit der Küche keine Gedanken zu machen braucht und trieb mir die Tränen in die Augen (ebenso wie die unzähligen Gräten im Fisch), aber Pili-Pili hat im Gegensatz zu Pfeffer oder Chili nicht nur Schärfe, sondern einen deutlichen Eigengeschmack und der Liboke war besser als im Restaurant um die Ecke.
In der Regenzeit überschwemmt der Fluß die noch etwas tiefer gelegene überdachte Terrasse, wo Kinder im Wasser planschten, während wir auf unserer Terrasse zwischen pseudo-römischen Säulenstummeln aus grauem Beton saßen und die Aussicht auf die Inseln und das Ufer genossen. Zwischendurch passierten zwei Boote einander unter lautem Gejohle direkt unter uns, ein paar Jungs in Sporthosen und leuchtend-bunten Polyesterhemden mit Angeln kamen vorbei, und ein Mann mit verkrüppeltem Bein schleppte sich ohne erkennbares Ziel durch die Brandung. Einige Meter stromaufwärts nahm die hübsche Idylle Schaden durch einen metallenen Steg mit Häuschen drauf – hier holt die Wasserbehörde das Wasser aus dem Fluß und jetzt weiß ich auch, warum das Wasser in der Dusche immer leicht bräunlich ist: nicht ich bin so dreckig, sondern das Wasser ist nicht gut genug gefiltert.
Bei der Heimkehr hing Familie Zicklein geschlachtet vom Dach der Unterstände für die Autos, drei Leichen baumelten nebeneinander und der Besitzer des Dönerladens war mit einem großen Messer zugange. Etwas zu spät eigentlich fürs Hammelfest – Eid war doch schon Freitag? – aber was weiß ich schon von muslimischen Feiertagen. Der Strom ging wieder an, kaum daß ich mich acht Etagen zu Fuß hochgekämpft hatte und nach Einbruch der Dunkelheit bin ich schwimmen gegangen. Auf dem Grill im Hof, wo Familie Dönerkebab sonst ihre Brochette grillt, lag ein halbes Ziegenfell und es stank die bis spät nachts ganz erbärmlich (selbst in meinem Turm), aber schwimmen in der Dunkelheit nach einem heißen Tag ist herrlich. Das Wasser ist morgens direkt aus der Bettwärme heraus kalt und taugt gut für Tage mit Katerstimmung, aber abends ist es warm und fühlt sich auf der sonnenverbrannten Haut so angenehm weich und samtig an, daß es ein Genuß ist. Die Fliesen sind noch sonnenwarm unter den Füßen und das Gras ist weniger stachelig – die Palmen rascheln leicht und die Grillen zirpen. Aus der Paillote nebenan zieht der Duft von Gegrilltem herüber und am Himmel sieht man Sterne und den Mond hinter den Wolken – als hätte jemand eine Decke über eine Lampe gelegt. Manchmal sieht man Vögel, die vom Licht von unten angestrahlt werden und sich wie silberne Motten gegen den Nachthimmel abheben und dann ist dieses Land einfach wunderschön und man kann sich nur verlieben und möchte für immer bleiben.
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