Allerlei Vierbeiner
Die Kühe sind weg. Ich höre ihre Glocken auch nicht mehr bimmeln, wenn ich auf meiner Fensterbank sitze. Auch wenn das Milchvieh Glocken vermutlich nur noch fürs Lokalkolorit und die Touristen trägt (die Wiesen sind alle sehr überschaubar), hat es mich immer erfreut.
Dafür gibt es jetzt auf derselben Wiese Schafe. Schafe sind auch fein, und immerhin tragen sie auch Glocken, kleinere allerdings, die viel höher und feiner bimmeln und deren Klang nicht bis zu meiner Wohnung trägt.

Als ich noch sehr klein war, gab es eine Großtante, die in einem sehr alten, ländlichen kleinen Hexenhaus wohnte. Es gab Forellenteiche und einige Schafe auf der Wiese. In einem Frühling, daran erinnere ich mich noch, besuchten wir die Großtante und wir Kinder bewunderten die wolligen, kuscheligen Schafe und Lämmer mit ihren wackeligen Beinchen– am allermeisten das Schwarze, das Malchen hieß. Wir saßen an einem Tisch, unter Bäumen, es gab Schafe und Fische im Wasser und selbstgemachte Marmelade – alles ein bißchen wie in Bullerbü.

Vor einigen Jahren starb die Tante, der Haushalt wurde aufgelöst, genauer: die Habseligkeiten unter den verschiedenen Geschwistern und ihren Nachkommen aufgeteilt. Ich war gerade zu Besuch in der Heimat, als Studentin immer auf der Suche nach allem, und so wanderte ich mich mit meinen Eltern durch das Haus, sammelte einige Bücher ein, erhob Anspruch auf den riesigen Eichenschrank, der jetzt mein Wohnklo Zimmer ziert. Vor dem Eichenschrank, im Schlafzimmer, lag ein Schaffell. Ein schwarzes. Ich rief meine Mutter, deutete, guck mal, ein schwarzes Schaffell.

Meine Mutter, mit ihrem hervorragenden Gedächtnis für ihre Familie, erinnerte mich dann an jenen Tag, und an Malchen, das schwarze Lamm. Das nun zu meinen Füßen lag.

Heute jedenfalls, beim Anblick der Schafe, habe ich mich zum ersten Mal auf den nächsten Frühling gefreut, wenn auf der Wiese hoffentlich Lämmer stehen werden. Niedliche Tiere, wenn sie auf vier Beinen stehen, und köstliche, wenn sie auf dem Teller liegen.

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ilnonno, Dienstag, 16. November 2010, 14:33
Wenn ich das Geschrei im Gebüsch neben meinem Fenster richtig deute, wird da gerade ein Vogel ermordet. Wahrscheinlich weniger wird als wurde, denn jetzt ist es still.

Nachts höre ich bei offenem Fenster oft stundenlanges Gekeife, Geraufe und Gezeter. Das Landleben scheint weniger idyllisch, als manche so denken.

damenwahl, Mittwoch, 17. November 2010, 10:44
Hier ist es sehr idyllisch. Aber die Tanne vorm Fenster ist auch nicht übermäßig gemütlich für Vögel.

muerps, Mittwoch, 17. November 2010, 11:33
Ich freu mich so gar nicht auf die Paarungssaison der Igel. Die sind so laut, da ist selbst ne 0900er-Werbung dezenter.

arboretum, Mittwoch, 17. November 2010, 11:34
Bei mir saß eben eine Kohlmeise auf dem Balkongeländer. Die Spatzen haben sich heute noch nicht blicken lassen, die bleiben wohl lieber auf dem Nussbaum vor meinem Schlafzimmerfenster sitzen.

damenwahl, Mittwoch, 17. November 2010, 21:57
Wohnen wir alle auf dem Lande? War bisher gar nicht mein Eindruck. Frau Muerps, da muß ich nachfragen: Igel? Im Ernst?

energist, Donnerstag, 18. November 2010, 01:51
In der Tat Respekt: Igel waren für mich immer Tiere, die man winters mit dem Pappkarton vor dem Erfrierungstod retten mußte, da sie selbst zu blöde waren, ein warmes Plätzchen aufzusuchen. Daß die sowas können…

Ich wohne übrigens mitten in der Stadt mit einem einzigen viel zu kleinen Dachfenster und hatte trotzdem schon Besuch von Eichhörnchen, Amseln, überaus lauten Rotkehlchen, Finken und einem Spatzen. Letzterer brach sich leider beim versuchten Durchqueren der Fensterscheibe das Genick und brachte sich um das Leben, mich um einen bis dahin romantisch recht erfolgreichen Abend.

damenwahl, Donnerstag, 18. November 2010, 09:34
Also, im Wettbewerb der von Tieren belästigten Anwohner gewinnen Sie definitiv den Cup: von Spatzen um einen romantischen Abend gebracht, das toppt alle anderen Leiden!

muerps, Donnerstag, 18. November 2010, 17:25
GlaubenSe mir, Igel sind bei der Paarung so laut, dass man sich wundert, wieso die noch keiner für die Pornoindustrie engagiert hat.

ilnonno, Donnerstag, 18. November 2010, 17:43
igelporn.de noch frei? Bin gerade zu faul nachzuschauen...