Freitag, 22. Oktober 2010
Tag 22 – Das Buch in deinem Regal, das die meisten Seiten hat
Sie haben es möglicherweise schon erwartet: Tolstoi, Krieg und Frieden mit 1580 Seiten. Allerdings nur auf Platz 2, knapp vor Littells "Les Bienveillantes" mit 1350.
Unangefochtener Sieger (weil ich mir erlaube, zwei Bände als ein Buch zu werten): Sienkiewicz "Mit Feuer und Schwert". Irgendwas um 2000 Seiten.
Kann mich nicht mehr erinnern, worum es genau ging (Kosaken, Kriege, Nationalhelden und so), aber es hat mir gefallen. Wird auf die Nochmallesen-Liste gesetzt.

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Donnerstag, 21. Oktober 2010
Tag 21 – Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
Ganz klar: noch mal Zoe Jenny.

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Mittwoch, 20. Oktober 2010
Tag 20 – Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
Die Lektüre meiner Schulzeit entsprach im großen und ganzen den allgemeinen Standards: Effi Briest, Der Tod in Venedig, Faust. In der Oberstufe wagte ein Lehrer etwas Neues, las mit uns "Der Nazi und der Friseur", was mir durchaus gefiel, noch mehr im Gedächtnis geblieben ist mir jedoch Frank Baers "Magermilchbande".

Fünf Kinder werden mit der Kinderlandverschickung aus Berlin evakuiert und machen sich irgendwann alleine auf den Rückweg, gegen alle Widerstände. Authentisch im Tonfall (Kriegsverletzte haben "abbe Arme und Beine") und sorgfältig recherchiert berichtet der Autor von großen und kleinen Begebenheiten und Abenteuern, eingebettet in die Geschichte der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Die Intensität meiner Erinnerung hat vermutlich weniger mit dem Buch selbst zu tun (obwohl es wirklich sehr gut ist!), sondern vor allem mit der Anleitung durch unseren Lehrer. Immer mit Bleistift lesen, Anmerkungen, Unterstreichungen, und dann wurde diskutiert: über Begrifflichkeiten, Formfragen, die künstlerische Komposition, Interpretation und Bedeutung bestimmter Ereignisse oder Wendungen. Alles war erlaubt, solange man es nur begründen konnte.

Besonders gut erinnere ich mich an folgende Episode: die Kinder sind in einem Güterwaggon gen Osten unterwegs, es gibt kein Toilettenpapier, die Fahrt dauert schier endlos. Der Streber-Bengel der Gruppe hat ein Buch dabei und angesichts der Notdurft der Gruppe (der Waggon ist rappelvoll mit Kindern) reißt er die gelesenen Seiten heraus und gibt sie an die Mitschüler weiter. Der Junge liest, und liest, und liest, im Wettlauf mit den Bedürfnissen der anderen, um immer mehr Papierblätter zur Verfügung stellen zu können.
Lange haben wir damals in der Schule über jenes Kapitel diskutiert, über den Wert von Büchern, und ob er im Inhalt liege oder im gebundenen Papier. Wie wir uns in solcher Situation verhalten würden, was uns Bücher bedeuten und wie Notsituationen die Prioritäten ändern.

Auch wenn ich das haptische an Büchern mag und Bibliotheksbücher manchmal nachträglich kaufe, weil ich sie besitzen will: dieses Buch, diese Episode und diese Diskussion sind mir als Mahnung an die Vergänglichkeit aller Dinge im Gedächtnis geblieben.

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Dienstag, 19. Oktober 2010
Tag 19 – Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest
Felix Krull, der Memoiren zweiter Teil.

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Montag, 18. Oktober 2010
Tag 18 – Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt
Ach du liebe Güte. Keine Ahnung, sowas interessiert mich nicht. Ich habe drei Bücher mit Signatur vom Autor: Manieren von Asserate, Banker for the Poor von Yunus und Wars, Guns and Votes von Collier. Zählt das auch?

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Sonntag, 17. Oktober 2010
Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen
In der zehnten Klasse hatten wir im Deutschunterricht eine Stunde immer erst nach dem Mittagessen. Alle Schüler waren müde vom Vormittag, etwas satt von der Bratwurst in der Stadt und hatten keine rechte Lust auf Schule, daher entschied unser Lehrer, in jenem Halbjahr die Buchvorstellung einzuführen. Jeder sollte im Laufe der Zeit wenigstens ein Buch seinen Mitschülern vorstellen, um Erfahrung im Vortragen zu bekommen und um die tote Zeit bestmöglich zu nutzen. Im Laufe jenes Jahres bat er mich (mich!), für ihn "Sophies Welt" vorzustellen, ich fühlte mich sehr geehrt und tat es natürlich gerne. Davor jedoch, und das dürfte der Auslöser für die ehrenvolle Pflichtaufgabe gewesen sein, hatte ich bereits ein Buch meiner Wahl vorgestellt. Oder besser: ein Buch, das ich mit meinem Vater ausgesucht hatte.

Keine Ahnung, wie wir darauf kamen, wir verbrachten einen Abend vorm Bücherregal und am Ende wurde es "Die Auferstehung" von Tolstoi. Ich muß wahnsinnig gewesen sein, sowas mit fünfzehn zu lesen, die Mitschüler waren wenig amüsiert und noch weniger beeindruckt (der Deutschlehrer schon). Von meiner Erzfeindin (heute meine beste Freundin) fing ich mir bittere Sticheleien ein, in denen das Wort "Streber" oft vorkam. Erstaunlicherweise jedoch ist es die Auferstehung - im Gegensatz zu manch anderer Lektüre aus jener Zeit - in Erinnerung geblieben und vor allem legte das Buch den Grundstein für die Zukunft und begründete meine Liebe zu Tolstoi.

Ein Jahr später ging ich für zehn Monate nach Amerika und mußte zum ersten Mal Bücher für längere Zeit gezielt packen, um Unterhaltung, Bildung und Gewicht möglichst optimal zu kombinieren. Mittlerweile bin ich Profi darin, den perfekten Mix im Koffer unterzubringen, für beliebige Zeiträume zwischen 2 Wochen und 4 Monaten, damals jedoch war ich Anfängerin und überlegte endlos lang. Trotzdem entschied ich, "Krieg und Frieden" einzupacken.

Es war die Ausgabe meines Vaters, ein riesiger roter Leinenwälzer mit tausenden Seiten von diesem besonders dünnen Papier. Die ersten Monate nach meiner Ankunft im tiefsten Süden der USA lag es in der Ecke, während ich Burgerläden, Supermalls und die riesige High-School erkundete, gegen Weihnachten jedoch wurde es mein Höhepunkt eines jeden Tages. Ich war voll des Heimwehs, die Situation mit meiner Gastfamilie hatte sich nicht gerade zu unser aller Vorteil entwickelt, mit dem besseren Englisch waren die Schulaufgaben nur noch langweilige Pflicht und vor allem hatte ich an den Wochenende plötzlich endlos Zeit: meine Gastschwester hatte nämlich zu arbeiten begonnen. Folglich blieb ich von Freitag Abend bis Montag Morgen allzuoft auf das Haus beschränkt (kein Auto=kein Fortkommen) und so brauchte ich keine drei Wochen, um Tolstois Mammutwerk durchzulesen. Diese drei Wochen jedoch waren die schönsten in jener eher trostlosen Vorweihnachtszeit: fünf Tage Vorfreude auf die abendliche Lektüre im Bett und noch mehr Vorfreude auf ein ganzes Wochenende lesen, ohne Pausen.



Einige Jahre später, ich hatte die schöne Ausgabe meines Vaters längst zurückgegeben, kaufte ich dann meine eigene, nach ausführlichen Diskussionen mit meinem alten Deutschlehrer selbstverständlich von Bergengruen. Und selbstverständlich habe ich es danach noch einmal gelesen - und nicht zum letzten Mal. Die jedenfalls habe ich gerade aus dem Regal gezogen.

Ich wünschte, er könnte das hier lesen, um zu wissen, was für ein grandioser Lehrer er mir war und wie sehr er mein Leben geprägt hat. Auch wenn ich es ihm bei jedem Wiedersehen sage.

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Samstag, 16. Oktober 2010
Tag 16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r.
Damit endlich mal ein deutsches Buch genannt wird: Stefan Zweig, Maria Stuart. Seinerzeit gerne gelesen, mittlerweile würde mich der psychologisch interpretierende Ton möglicherweise stören - es hat etwas anmaßendes, Menschen, die man nicht kennt, so zu beurteilen.
Aber damals mochte ich es gerne und habes einiges von Zweig gelesen.

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Freitag, 15. Oktober 2010
Tag 15 – Das 4. Buch in deinem Regal v.l.
Lasse ich in meinem linksaußen Billy III die unterste Reihe mit Fotoalben und die mittlere Reihe mit musikwissenschaftlicher Fachliteratur (Tonsatz, Harmonielehre, Opernführer) beiseite, bleibt noch eine Reihe mit englischen Büchern.
Darin das vierte von links: JRR Tolkien, Lord of the rings. Etwa mit sechzehn Jahren bekam ich die giftgrüne Klett-Cotta Ausgabe zu Weihnachten von meinen Eltern, konnte mich aber nicht so recht aufraffen und stellte es beiseite. Mit siebzehn in den USA lasen wir dann das Hobbit im Literaturclub und ich war erstaunlich angetan.

Wieder in Deutschland, las ich dann auch die große Trilogie, kaufte sie einige Jahre später noch mal auf Englisch (mindestens drei Mal in Originalsprache gelesen) und das ist nun also die zerlesene Taschenbuch-Billigausgabe, die bei mir im Regal steht. Ich sollte mich vielleicht mal auf die Suche machen, die schöne Klett-Cotta-Ausgabe wiederzufinden.

Jedenfalls: ein Buch, das ich auch noch oft lesen werde, ganz sicher. Immer wieder schön, immer wieder neu und im Gegensatz zu vielen anderen Fantasy-Autoren als geschlossenes Konzept auf bewunderungswürdige Weise durchdacht (die Sprache! die Geschichte! die Details!)

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Donnerstag, 14. Oktober 2010
Tag 14 – Ein Buch aus deiner Kindheit
Mein Vater hat immer viel gearbeitet, aber er hat sich jedes Jahr zu Weihnachten und Geburtstagen die Zeit genommen, Buchgeschenke für seine Kinder sorgfältig auszuwählen. Er las nicht nur die Buchempfehlungen seiner Wochenzeitung, er arbeitet sie geradezu durch, machte Notizen, riß die Koordinaten aus. Vor Weihnachten dann nahm er sich einen Samstag-Nachmittag Zeit, entließ meine Mutter in die Schuh- und Bekleidungsläden der nächstgrößeren Stadt und widmete sich dem Buchgiganten vor Ort.

Er legte seine Empfehlungen vor, diskutierte mit Buchhändlerinnen, las in Bücher rein und suchte mit viel Liebe und Aufwand Geschenke aus. Über die Jahre wurde er geradezu zum Fachmann für Kinder- und Jugendliteratur jeder Couleur. Astrid Lindgren, Rainer M. Schröder, Tolkien und Klaus Kordon, Gudrun Pausewang und Dagmar Chidolue - fast alles von Rang und Namen sammelte sich über die Jahre bei uns. In jenem Jahr, in dem mein Lesehunger am schlimmsten war, kauften meine Eltern einen kompletten Meter "Goldköpfchen" - ein Buch von 1930, aber erstens war es grandios, den riesigen Stapel hinterm Sofa zu finden und zweitens hat es mir trotzdem gefallen, auch wenn es etwas unmodern war. Sowas fiel mir kaum auf.

Die prägendste Autorin meiner Kindheit war jedoch Frances Hodgson Burnett, auf die ich immer noch große Stücke halte. Kein Jahr vergeht, in dem wir nicht alle "Der kleine Lord" im Fernsehen schauen - und doch ist es nie so schön wie jene Abende, an denen mein Vater uns jeden Abend ein Kapitel daraus vorlas, auf das man sich schon den ganzen Tag vorfreuen konnte.

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Mittwoch, 13. Oktober 2010
Tag 13 – Ein Buch, bei dem du nur lachen kannst
Es gibt viele Bücher über Spione (so ein populärer Beruf!), über Polizisten auch, Ärzte ebenso, Anwälte (Staatsanwalte vor allem, oft im Tandem mit Polizisten). Manche Berufe scheinen literarisch besonders populär zu sein - andere weniger.

Das einzige zeitgenössische Buch über Entwicklungszusammenarbeitsmitarbeiter (Entwicklungshilfe sagt man nicht mehr, der patronierende Unterton gilt als unfein), das ich kenne, ist "Emergency sex and other desperate measures". Bericht dreier UN-Mitarbeiter, die es über einige Jahre verteilt nach Kambodscha, Somalia und Haiti verschlägt - sehr kritisch, sehr lehrreich, sehr gute Lektüre. Aus historischer Perspektive bieten sich die klassische Kolonialliteratur und ihre Verwandten an, William Boyd zum Beispiel, den ich sehr mag. Das erste Buch fiel mir bei einer umziehenden Kollegin in Kinshasa in die Hände und als ich bat, es mir für einige Tage ausleihen zu dürfen, wurde es mir gleich dauerhaft vermacht - es hätte nur das Fluggepäck nach Kamerun beschwert. Und bei mir ist es in guten Händen, ich habe "A good man in Africa" verschlungen, und beim lesen den Kopf geschüttelt über den etwas tapsigen Protagonisten, der auf unglückselige Weise in Korruption und allerlei andere Probleme verwickelt wird und dabei beinahe seinen beschaulichen Behördenjob verliert. Noch bevor ich damit durch war, schenkte mir die Kollegin auch noch "An ice-cream war"; und "Brazzaville Beach", gefunden hier im Brockenhaus, wartet noch auf mich.

Schon länger auf meiner Wunschliste stehen auch Lukas Bärfuss "Hundert Tage" und die Dallaire-Biographie, aber beides muß man bestellen und dazu hat es bisher noch nicht gereicht. Davon abgesehen wurde mir Graham Greene empfohlen, und dann gibt es noch "Black Mischief" von Evelyn Waugh.

Ein Buch, das gleichermaßen zum lachen wie zum weinen reizt. Denkt man über den wahren Kern in all der Absurditäten nach - den Moderne-versessenen Herrscher eines kleinen Inselkönigreichs, den planlosen und leichtfertigen Briten, der ihm bei den Modernisierungsmaßnahme helfen soll, die idiotischen Mitarbeiter der verschiedenen diplomatischen Dienste. Gleichzeitig ist es komisch zu lesen, wie aus einem Wortspiel der gelangweilten Briten bei den Franzosen plötzlich bitterer Ernst wird und der beißende Sarkasmus ist sehr unterhaltsam zu lesen, solange man nicht über die traurigen Wahrheiten nachdenkt, die drin stecken.

Täte man das, man müßte sich gar nicht mehr wundern, daß manche afrikanische Regierung nach der Unabhängigkeit nicht recht auf die Beine kam, bei einer solchen Hypothek einem solchen Erbe. Vielleicht ist es eigentlich doch kein Buch zum Lachen - jedenfalls nicht nur zum Lachen.

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